Sport und Bewegung
„Freizeit und Sport: Der Spaßfaktor ist entscheidend“
Der Nutzen von sportlichen Aktivitäten für gesunde und chronisch kranke Menschen ist heute unstrittig. Freude an der Bewegung und Spaß an der sportlichen Aktivität verbessern den Zustand von Körper und Geist. Regelmäßiger Sport ist daher gerade auch für kranke Menschen zu empfehlen. Darin sind sich der Rheumatologe Dr. Christoph Kuhn, Mainz und Physiotherapeut und Morbus Bechterew Patient Marcus Stark, mit eigener Praxis in Kaiserslautern einig.
Welche Sportarten sind für Rheumatiker empfehlenswert?
Dr. med. Christoph Kuhn: Generell können Sportarten mit geringem Verletzungsrisiko und möglichst geringer Belastung für die Gelenke empfohlen werden. Selbstverständlich muss auch die Verteilung der betroffenen Gelenke berücksichtigt werden. Vorsicht gilt bei Sportarten, die sehr viel Kraft oder ruckartige Bewegungen erfordern. Doch es sollte jede Sportart individuell betrachtet werden und daher sollte jeder vorher mit dem behandelnden Arzt seines Vertrauens oder Physiotherapeuten darüber sprechen.
Was müssen Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen beachten, wenn Sie mit einer Sportart beginnen?
Marcus Stark: Ob die Sportart mir persönlich gut tut. Das ist wichtig. Als Beispiel, wenn ein Patient Handball spielen möchte – gut. Wenn er aber nach jedem Spiel Verletzungen und Schmerzen hat und danach zwei Tage zur Regenation braucht, dann ist es nicht das Richtige.
Dr. Chr. Kuhn: Ich werde oft von Patienten gefragt, kann, darf ich diese oder jene Sportart machen. Ich sage dann, probieren sie es aus, wenn sie Spaß daran haben – gut! Jemand der Spaß hat, merkt auch, wo sein Grenze ist. Wer keinen Spaß hat, zwingt sich dazu und erkennt dann auch nicht seine persönlichen Grenzen. Wichtig ist: ausprobieren und schauen, ob es geht.
Welche Motivationstipps können Sie chronisch kranken Menschen geben?
Dr. Chr. Kuhn: Für viele ist es leichter in der Gruppe feste Termine zu vereinbaren. Sport mit Gleichen auf gleichem Leistungsniveau ist sinnvoll, um Frust zu vermeiden. Ich empfehle meinen Patienten auch, die Angebote der Rheuma-Liga zu nutzen.
M. Stark: Es kann aber auch eine Motivation sein, Sport mit Gesunden zu machen und zu sehen, was die so können. Vielleicht ist der Rheumatiker aufgrund seines regelmäßigen Trainings sogar besser als der Gesunde. Und wenn nicht, auch nicht schlimm, oder?!
Und wie können sich gerade Anfänger motivieren?
M. Stark: Durchhaltevermögen ist gerade zu Beginn wichtig. Wenn die Menschen spüren, dass ihre Einschränkungen im täglichen Leben durch den Sport gemindert werden, das ist die größte Motivation!
Wie wirkt sich der Sport auf Körper und Psyche aus?
M. Stark: Wenn ich meinem Körper Leistung abverlange, stärkt das auch die Psyche und hebt das Selbstbewusstsein. Ich fühle mich wieder fit für die täglichen und neuen Aufgaben.
Dr. Chr. Kuhn: „Wer rastet, der rostet.“ Dieses alte Sprichwort bringt es auf den Punkt. Jeder – ob gesund oder chronisch krank – sollte für sich seinen Sport finden, den er ausüben kann und Spaß dabei hat.
M. Stark: Vorsichtig sollten jedoch sehr ehrgeizige Menschen sein. Im Sport kann das auch zu Überlastungen führen. Man sollte es nicht übertreiben.
Dr. Chr. Kuhn: Der Spaßfaktor sollte entscheidend sein! Grenzen spüren und fühlen, was und wieviel Sport mir gut tut.
Welche Empfehlung können Sie Rheumatikern geben?
Dr. Chr. Kuhn: Ich empfehle meinen Patienten sich zu bewegen und Sport zu treiben. Sport ist gut für den Körper. Die Beweglichkeit wird besser, die Psyche positiver und das Selbstbewusstsein steigt. Also los, ich wünsche allen viel Spaß an der Bewegung!
Herzlichen Dank für das Gespräch!


