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Kinder- und Jugendrheuma
Formen der JIA
Oligoarthritis

Oligoarthritis
Bei der Oligoarthritis (oligo = wenig) sind ein bis vier Gelenke betroffen, besonders häufig das Knie. In der Regel zeigt sich die Entzündung asymmetrisch, also nicht gleichmäßig auf beiden Körperhälften. Oft geht eine rheumatische Augenentzündung (Uveitis) mit der Erkrankung einher. Daher ist die regelmäßige Kontrolle durch den Augenarzt wichtig. Im Verlauf kann sich die Oligoarthritis auf weitere Gelenke ausdehnen.

 
Polyarthritis

Polyarthritis
Sind fünf oder mehr Gelenke von einer Entzündung betroffen, liegt eine Polyarthritis (poly = viele) vor. Am häufigsten sind Hand-, Fingergelenke, Ellbogen, Knie- und Sprunggelenke entzündet, meistens symmetrisch, also gleichzeitig auf beiden Körperhälften. Oft kommt auch eine Entzündung der Sehnenscheiden hinzu. Eine Polyarthritis unterscheidet sich nochmals danach, ob bestimmte Antikörper im Blut (Rheumafaktoren) nachgewiesen werden können – die Ärzte sprechen dann von rheumafaktornegativer oder rheumafaktorpositiver Polyarthritis.

 
Systemische Arthritis

Systemische Arthritis
Systemisch bedeutet, den gesamten Organismus betreffend. Bei einer systemischen Arthritis sind daher neben den Gelenken auch andere Organe des Körpers in Mitleidenschaft gezogen, z. B. Haut, Herz, Lymphknoten, Milz, Leber und vereinzelt Nieren oder Lunge. Diese Form geht nicht selten mit hohem Fieber einher. Hautausschlag kann ein weiteres Merkmal der Erkrankung sein.

 
Psoriasis-Arthritis""

Psoriasis-Arthritis
Zeigen sich neben den Gelenkbeschwerden auch Anzeichen einer Schuppenflechte (Psoriasis), wird sie als Psoriasis-Arthritis bezeichnet. Typische Symptome einer Psoriasis sind die sogenannten Plaques. Diese scharf begrenzten rötlichen Areale auf der Haut sind mit silbrig-weißen Schuppen bedeckt. Es handelt sich um eine überschießende Produktion von Hautzellen, die im Anschluss abgestoßen werden. Kein Grund sich davor zu ekeln, die Erkrankung ist nicht ansteckend, die Schuppen also auch nicht! Häufig gehen Nagelveränderungen und auch das Anschwellen ganzer Finger oder Zehen voraus. Das Knie sowie die Hände und Füße sind die Gelenke, die am häufigsten betroffen sind.

 
Enthesitis-assoziierte Arthritis

Enthesitis-assoziierte Arthritis
Hierbei kommt es neben den Gelenkbeschwerden zu einer Entzündung von Bändern und Sehnen, oft an der Ferse. Die Gelenke sind in der Regel asymmetrisch, also nicht gleichzeitig auf beiden Körperhälften, betroffen, vorzugsweise Knie- und Sprunggelenk. In vielen Fällen tritt auch eine Augenentzündung auf.

 
Fachausdrücke
  • Juvenile idiopathische Arthritis (JIA) ist der Fachausdruck für Jugendrheuma
  • Juvenil = kindlich/ jugendlich
  • Idiopathisch = Erkrankung ungeklärter Ursache
  • Arthritis = Gelenkentzündung

Erklären

Was ist Kinder- bzw. Jugendrheuma?

„Wir sind eine ganz normale Familie. Mama, Papa und Tochter Laura. Wir lachen und wir weinen. Aber um ehrlich zu sein: So ganz normal sind wir doch nicht. In unsere traute Dreisamkeit hat sich ein Eindringling eingeschlichen. Ein ungebetener Gast. Wir haben ihn ins hinterste Zimmer verbannt. Doch manchmal traut sich unser Untermieter raus und schikaniert uns, wo er nur kann. Wenn sich unser Mitbewohner nicht mehr bändigen lässt, rufen wir unseren Arzt zu Hilfe. Der spricht ein Machtwort und unser Gast zieht sich wieder brav in sein Zimmer zurück. Und ist ruhig. Bis zum nächsten Anfall. Eines Tages, so hoffen wir, wird er friedlich mit uns zusammenleben. Wir reichen ihm jedenfalls die Hand.“, so schildert ein Vater seine Erfahrungen mit dem Jugendrheuma seiner Tochter.

Kinder- bzw. Jugendrheuma ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem statt gegen Eindringlinge wie Bakterien oder Viren gegen körpereigene Strukturen wendet und Gelenke angreift. Aufgrund dieses Fehlers kommt es zu einer Entzündung der Gelenkinnenhaut, die sich verdickt und zu wuchern beginnt. Dadurch werden die Knorpel und angrenzenden Knochen geschädigt. Das Gelenk verliert seine Beweglichkeit. Da dieser Prozess (ab einem gewissen Ausmaß) nicht mehr rückgängig zu machen ist, ist es besonders wichtig, frühzeitig eine wirksame Therapie zu beginnen. Heute gibt es erfreulicherweise Behandlungsmöglichkeiten, die das Fortschreiten der Erkrankung bremsen oder sogar ganz aufhalten können. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser.

Wer erkrankt an Kinder- und Jugendrheuma?

Etwa 15.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind in Deutschland betroffen.
Es kann in jedem Lebensalter auftreten, selbst bei Säuglingen und Kleinkindern.

Was kann Kinder- bzw. Jugendrheuma auslösen?

Dank intensiver Forschung sind heute viele Zusammenhänge bekannt. Dies hat in den letzten Jahren auch zu der Entwicklung von neuen und hochwirksamen Behandlungsmöglichkeiten beigetragen. Trotzdem sind die Ursachen der Erkrankung noch immer nicht gänzlich geklärt. Es wird davon ausgegangen, dass mehrere Faktoren zusammenkommen müssen, um Kinder- oder Jugendrheuma auszulösen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die ererbte Veranlagung. Vermutet wird, dass dies mit bestimmten Umweltfaktoren, z.B. Viren oder Bakterien, zusammentreffen muss, um die Erkrankung auszulösen. Ist auch nicht genau bekannt, warum ein Kind erkrankt, so ist doch eines sicher: Niemand hat Schuld an der Krankheit und es gibt auch keine Möglichkeit, das Auftreten zu verhindern. Ist aber eine Diagnose gestellt, kann die Erkrankung gut behandelt werden.

 

 

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