Erklären
Was ist Kinder- bzw. Jugendrheuma?
„Wir sind eine ganz normale Familie. Mama, Papa und Tochter Laura. Wir lachen und wir weinen. Aber um ehrlich zu sein: So ganz normal sind wir doch nicht. In unsere traute Dreisamkeit hat sich ein Eindringling eingeschlichen. Ein ungebetener Gast. Wir haben ihn ins hinterste Zimmer verbannt. Doch manchmal traut sich unser Untermieter raus und schikaniert uns, wo er nur kann. Wenn sich unser Mitbewohner nicht mehr bändigen lässt, rufen wir unseren Arzt zu Hilfe. Der spricht ein Machtwort und unser Gast zieht sich wieder brav in sein Zimmer zurück. Und ist ruhig. Bis zum nächsten Anfall. Eines Tages, so hoffen wir, wird er friedlich mit uns zusammenleben. Wir reichen ihm jedenfalls die Hand.“, so schildert ein Vater seine Erfahrungen mit dem Jugendrheuma seiner Tochter.
Kinder- bzw. Jugendrheuma ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem statt gegen Eindringlinge wie Bakterien oder Viren gegen körpereigene Strukturen wendet und Gelenke angreift. Aufgrund dieses Fehlers kommt es zu einer Entzündung der Gelenkinnenhaut, die sich verdickt und zu wuchern beginnt. Dadurch werden die Knorpel und angrenzenden Knochen geschädigt. Das Gelenk verliert seine Beweglichkeit. Da dieser Prozess (ab einem gewissen Ausmaß) nicht mehr rückgängig zu machen ist, ist es besonders wichtig, frühzeitig eine wirksame Therapie zu beginnen. Heute gibt es erfreulicherweise Behandlungsmöglichkeiten, die das Fortschreiten der Erkrankung bremsen oder sogar ganz aufhalten können. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser.
Wer erkrankt an Kinder- und Jugendrheuma?
Etwa 15.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind in Deutschland betroffen.
Es kann in jedem Lebensalter auftreten, selbst bei Säuglingen und Kleinkindern.
Was kann Kinder- bzw. Jugendrheuma auslösen?
Dank intensiver Forschung sind heute viele Zusammenhänge bekannt. Dies hat in den letzten Jahren auch zu der Entwicklung von neuen und hochwirksamen Behandlungsmöglichkeiten beigetragen. Trotzdem sind die Ursachen der Erkrankung noch immer nicht gänzlich geklärt. Es wird davon ausgegangen, dass mehrere Faktoren zusammenkommen müssen, um Kinder- oder Jugendrheuma auszulösen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die ererbte Veranlagung. Vermutet wird, dass dies mit bestimmten Umweltfaktoren, z.B. Viren oder Bakterien, zusammentreffen muss, um die Erkrankung auszulösen. Ist auch nicht genau bekannt, warum ein Kind erkrankt, so ist doch eines sicher: Niemand hat Schuld an der Krankheit und es gibt auch keine Möglichkeit, das Auftreten zu verhindern. Ist aber eine Diagnose gestellt, kann die Erkrankung gut behandelt werden.


